Der längste Flug, den Günter Neumanns Brieftauben in dieser Saison hinter sich gebracht haben, startete von Brüssel aus.

Foto: Reinbacher/www.brieftaube.de
618 Kilometer Luftlinie in nur 7 Stunden, 55 Miunten schaffte seine schnellste Taube und wurde damit 23. von insgesamt 1.588 teilnehmenden Tauben. „Wenn man das umrechnet sind das 1300 Meter pro Minute“, so Günter Neumann.
Wurden früher Brieftauben dazu verwendet, um Nachrichten zu übermitteln – die Taubenpost war der Anfang der Flugpost – ist dies schon lange nicht mehr der Fall. Für Günter Neumann aus Wartenberg und seine Kollegen sind Brieftauben ein Hobby, ein Sport genauso wie der Pferde- oder der Hundesport.
Angefangen hat er mit diesem besonderen Hobby als er 15 Jahre alt war. „Mein Vater hat Brieftauben gehalten. Ich habe sie fliegen gesehen und war so fasziniert, dass ich selbst auch mit dem Taubenzüchten angefangen habe.“ Bis zur Bundeswehr beschäftigt sich der – damals noch Langenpreisinger – mit den grauen Eminenzen der Lüfte, „dann hatte ich einfach keine Zeit mehr.“
Doch das Hobby lässt ihn nicht los und als er 1987 das Haus in Wartenberg baut, ist für ihn klar:?„Es muss wieder ein Taubenschlag her.“ Die Kontakte von damals sind nie abgerissen und so bekommt der enthusiastische Taubenfreund von verschiedenen Züchtern Jungtiere.
„Dabei ist es wichtig, dass die Jungvögel mit etwa 21 bis 25 Tagen in den Schlag kommen, zu dem sie später gehören sollen, sonst gewöhnen sie sich nur äußerst schwer daran.“
Günter Neumann fing damals mit etwa 20 Tauben an, heute hat er 80. Bei ihm fliegen nur die Weibchen Wettbewerbe.
Während die Alttauben bereits Ende April mit dem Training beginnen und von Mai bis Ende Juli ungefähr 13 Preisflüge haben, geht’s für die Jungvögel mit dem Training erst Anfang August los. „Dann fahre ich die 20 bis 40 Jungen etwa fünf Kilometer von mir daheim weg und lasse sie fliegen.“
Die Brieftauben fliegen dann, normalerweise, sofort zurück zum Taubenschlag. „Es sei denn, Raubvögel wie Habicht oder Wanderfalke schnappen sich eine.“ Die Trainingsflüge werden nach und nach von der Distanz her gesteigert, bevor es zum ersten Wettflug geht.
„Mit dem Kabinenexpress, einen eigens zwei Regionalvereinen angeschafften LKW, geht es dann etwa 80 Kilometer weit weg.
Die Tauben, die einen Chip am Bein haben, werden vorab registriert und dann freigelassen. „Das können schon bis zu 2.500 Tauben sein, die da losfliegen.“ Die oberste Priorität: „Das Wetter muss passen. Bei Regen oder Nebel kann kein Auflass durchgeführt werden.“
An jedem Taubenschlag, auch an dem von Günter Neumann, ist ein spezielles Gerät angebracht, dass auf die Sekunde genau erfasst, wann jede Taube daheim ankommt.
Sind alle fliegenden Gesellen im Schlag, nimmt der Tauben-Experte das Gerät und bringt es zum Verein. Dort werden die Ergebnisse ausgedruckt und nachdem verschiedene Berechnungen durchgeführt wurden (z.B. die individuelle Entfernung zum Taubenschlag) eine Gewinnerliste erstellt. Wichtig für die Brieftaubenzüchter ist dabei, dass ihre Tiere zum ersten Drittel der schnellsten Tauben gehören, denn dann erhalten sie einen Preis.
„Eine Taube von mir hat beispielsweise von 13 Flügen 11 Preise bekommen.“
Diese Preise wirken sich auch auf den Preis der Taube aus. „So kann es schon vorkommen, dass bei einer Versteigerung auf eine Top-Brieftaube über 100.000 Euro geboten werden“, erklärt der Experte. Während in Bayern die Brieftaubenzüchter weniger werden, beginnt in China der Sport gerade Fuß zu fassen.
Doch was ist das schöne an diesem Hobby? „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn meine Brieftauben von einem Preisflug heimkommen. Man sitzt wie auf Kohlen, schaut immer wieder zum?Himmel. Und wenn sie dann kommen, alle nacheinander, das ist so schön, das kann man gar nicht beschreiben.“
Quelle: Wochenblatt







